Die Adventskalender-Eskalation
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Wenn der 3. Dezember sich wie Heiligabend anfühlt
Der Dezember ist die magischste Zeit des Jahres. Er riecht nach Zimt, Tannennadeln und heimlicher Schokolade. Das Herzstück der Vorfreude: der Adventskalender.
Ich habe ihn mit so viel Liebe gebastelt (oder gekauft – lassen wir die Realität hier mal außen vor). Mit 24 kleinen Tütchen gefüllt mit allerlei leckeren und tollen Sachen, die Geduld, Vorfreude und das Zählen bis Heiligabend lehren sollen. Ein wunderschönes, pädagogisch wertvolles Konzept.
Und dann kommen meine Kinder.
Tag 3: Wir sind bei Türchen 12
Das Problem liegt nicht in der Theorie, sondern in der Praxis des kindlichen Zeitgefühls. Für meine Zweijährige ist alles, was existiert, JETZT. Sie sieht 24 bunte Quadrate ihres Standard Kalenders und denkt: "Warum sollte ich warten, wenn ich jetzt ein kleines Glück haben kann?" Sie ist die Abrissbirne. Sie reißt, zerrt und weint, wenn man sie bremst.
Die Dreieinhalbjährige hingegen ist strategischer: Sie verhandelt an ihrem Beutel-Kalender. "Mama, wenn ich ganz leise bin, darf ich dann heute zwei Tüten aufmachen? Weil das sind ja quasi gestern und heute zusammen." Und weil man morgens um 6:30 Uhr nicht die Nerven für philosophische Diskussionen über die Linearität der Zeit hat, stecken wir schon am 3. Dezember bei Türchen 12 fest. Die Hälfte ist leer. Oder bereits in der Vorratskammer am 20.11. entdeckt worden. Denn die Befüllung aus allerlei Überraschungen war im Vorhinein von Mama versteckt - und von Maria entdeckt worden.
Ich habe das Gefühl, wir müssen den Adventskalender bald in "Der Kalender des täglichen Missmanagements" umbenennen. Denn: wenn im Tütchen der Begierde eines Morgens keine Schokolade sondern ein Pixi Buch steckt - war´s auch wieder nix!

Schokolade zum Frühstück? Pädagogisch wertvoll!
Als Eltern haben wir bestimmte Regeln: gesunde Ernährung, wenig Zucker, kein Fernsehen vor 9 Uhr. Aber der Dezember ist anders.
Wenn der Kampf um Türchen 12 dazu führt, dass das Kind weint, das andere Kind sich solidarisch auf den Boden wirft und man selbst innerlich schon in Griechenland am Strand liegt, dann heißt es: Schokolade zum Frühstück ist pädagogisch wertvoll.
Warum? Weil es den Konflikt sofort beendet. Weil es 15 Minuten Ruhe verschafft. Weil es die Nerven der Mutter schont. Und weil es den Kindern beibringt, dass es im Leben auch mal Ausnahmen gibt.
Außerdem: Wir kommen aus einer Kultur, in der die Geschenke (dank Nikolaus und dem griechischen Agios Vasilis an Neujahr) sowieso schon doppelt und dreifach verteilt werden. Da ist ein bisschen vorgezogene Schokolade nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was da noch kommt!
Der Adventskalender mag ein Test für unsere Geduld sein, aber er ist auch ein Beweis dafür, dass die größten Freuden im Leben (Schokolade und das Lächeln der Kinder) oft ganz einfach sind.
Lasst uns diesen Dezember einfach genießen. Mit viel Kaffee, etwas Gelassenheit und ganz viel Schokolade (egal zu welcher Uhrzeit).
Wie viele Türchen sind bei euch schon leer? Erzählt mal!