Wo Saumagen auf Souvlaki trifft: Kulturelle Kontraste im Mama-Alltag
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Zwei Kulturen, eine Veto-Stimme: Der Kleinkind-Gourmet
Wir sind ein Haushalt, der kulinarisch alles bietet: die deftige Herzlichkeit der Pfalz trifft auf die Leichtigkeit und den Geschmack von Griechenland. Von mir gibt es gerne äfach mol Bratworscht, vom Papa gibt es allerlei Hülsenfrüchte oder mediterran Gegrilltes. Wir haben die Chance, unseren Kindern eine Weltoffenheit auf den Teller zu zaubern. Was essen sie am liebsten? "Nackige Nudeln".
Der kulinarische Kampf: Jede Woche beginnt mit dem gleichen Optimismus.
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Montag (Die Pfälzer Strategie): Kartoffelsuppe mit Würstchen! Herzhaft, nahrhaft, Heimat. Das 3,5-jährige Kind inspiziert die Suppe, sortiert die Kartoffeln akribisch aus und sagt: "Mama ich will Brot!"
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Dienstag (Die Griechische Offensive): Wir decken den Tisch mit Mittelmeer Flair: Griechische Bohnensuppe mit Karotten, Feta, Oliven. Mein Mann nickt stolz. Das 2-jährige Kind weint, weil die karottenscheibe "bäääh" ist und fordert: "Nudeln! Nudeln!"
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Mittwoch (Die Kapitulation): Der Wochentag, an dem ich mich frage, warum ich 45 Minuten mit der Zubereitung eines ausgewogenen, hausgemachten Gerichtes verbracht habe. Wir landen bei Reis mit Frischkäse. Oder Nudeln. Mit Nudeln.

Die Ironie der Erziehung: Wir reisen mit unseren Kindern an wunderschöne Orte, zeigen ihnen die Pfälzer Weinberge und die griechischen Strände, wir singen ihnen Lieder in zwei Sprachen vor – und doch ist ihr Geschmackshorizont so schmal wie eine Spaghetti. Aber es ist auch eine wunderbare Lektion in Demut: Egal wie viel Mühe man sich gibt, am Ende entscheidet der Gourmet mit Veto-Stimme über das Menü. Hauptsache, der Bauch ist voll, oder wie wir in der Pfalz sagen: "Hauptsach, gudd gess."